FETTIGE MYTHEN
Wenn es um Herz und Kreislauf geht, ist das Cholesterin in unserer Wahrnehmung der Bösewicht Nummer eins.
Kein gesundheitlicher Risikofaktor, der so stark von der Bevölkerung angenommen wurde.
Apotheken bitten zum Schnelltest, an Lebensmittelregalen fällt die Entscheidung für den Kauf oft erst nach Prüfung des Cholesteringehalts.
Mit der Verbreitung der allgemeinen Cholesterin-Hysterie geriet fast in Vergessenheit, dass Cholesterin ein lebenswichtiger Bestandteil des Körpers ist, auf den wir nicht verzichten können.
Bei älteren Menschen ist die Rolle eines erhöhten Cholesterinwertes jedoch mehr als umstritten.
Verschiedene Studien haben gezeigt, dass ein erniedrigte Cholesterin mit einer höheren Sterblichkeit an Krebs, Atemwegserkrankungen und Unfällen einhergeht.
Eine Studie fand sogar heraus, dass Menschen mit niedrigem Cholesterin häufiger Selbstmord begehen als jene mit hohen oder mittleren Werten.
Niederländische Mediziner aus Leiden haben den Einfluss des Cholesterinwerts auf die Sterblichkeit bei sehr alten Menschen analysiert. Die 724 Teilnehmer der Studie waren im Durchschnitt 89 Jahre alt. Im Zeitraum von 10 Jahren starben 642 der der Probanden.
Sowohl Männer als auch Frauen mit hohen Cholesterinwerten überlebten länger als diejenigen mit mittelhohen Werten, die wiederum lebten länger als jene mit niedrigem Cholesterin.
Hingegen war die Sterblichkeit an Krebs und an Infektionen in der Gruppe mit dem höchsten Cholesterinwert am niedrigsten.
Kein Grund also, alte Menschen auf cholesterinarme Diät zu setzen oder ihnen die Sahne auf der Torte zu untersagen.
von:
Dr. med. Werner Bartens,
Badische Zeitung 1.3.2004